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Der Mythos vom deutschen Wald

Dies ist ein Text in leicht verständlicher Sprache.

Schöne Waldbilder mit romantischen Sprüchen in sozialen Medien sehen harmlos aus. Doch manchmal steckt rechtsextreme Propaganda dahinter. Dieser Artikel erklärt, woher der Mythos vom "deutschen Wald" kommt und warum er bis heute gefährlich ist.

Der Telegram-Kanal Freies Thüringen – ein Akteur aus dem rechten Mischspektrum von Verschwörungsideolog:innen, Reichsbürger:innen und sogenannten Montagsspaziergänger:innen – veröffentlichte am 10. August 2025 eine typisch romantisierende Naturdarstellung, unterlegt mit einem Vers von Carl W. Neumann.
Der rechtsextreme Telegram-Kanal Freies Thüringen veröffentlichte am 10. August 2025 eine romantisierende Naturdarstellung, unterlegt mit einem Vers von Carl W. Neumann. Der Dichter war ein in der Nazizeit beliebter Autor. ©Screenshot, Telegram, Freies Thüringen, 10. August 2025, aufgenommen am 14. August 2025

Was sieht man in sozialen Medien?

Rechtsextreme Gruppen teilen oft:

  • Waldfotos mit mystischen Sprüchen
  • Texte über die "ewige Verbindung" zwischen Deutschen und dem Wald
  • Zitate über die "magische Kraft" der Natur

Das Problem:

  • Die Zitate stammen oft aus Nazi-Büchern
  • Das wird verschwiegen
  • Es wirkt harmlos, ist aber Propaganda

Woher kommt der Mythos vom Deutschen Wald?

Erfunden um 1800

  • Stadtbewohner aus der Romantik sehnten sich nach Natur
  • Sie wollten Gefühl statt Verstand
  • Der Wald wurde zum Symbol für das "Ursprüngliche"
Ein Mädchen liegt schlafend auf dem Waldboden, umgeben von Bäumen und Moos; Gemälde von Ernst Ferdinand Oehme, 1853.
Ein junges Mädchen schläft in einer stillen Waldlandschaft, umgeben von Bäumen und sanftem Licht – eine romantische Szene zwischen Naturidylle und Träumerei. ©Ernst Ferdinand Oehme ‚Landschaft mit schlafendem Mädchen‘ (1853 – Öl auf Leinwand, 26 x 38 cm, Museum der bildenden Künste, Leipzig)

Warum wurde es politisch?

  • Um 1806 endete das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen
  • Man suchte nach deutscher Identität
  • Man erfand eine Verbindung zu den Germanen

Die germanische Herkunft - eine Erfindung

  • Der Römer Tacitus schrieb über germanische Stämme im Wald
  • Tacitus war selbst nie dort gewesen
  • Man behauptete: Germanen = Deutsche
  • Diese Linie hat es nie gegeben

Der Hermann-Mythos

  • Arminius besiegte 9 n. Chr. drei römische Legionen
  • Er wurde zu "Hermann dem Cherusker" verklärt
  • Der Wald wurde zum Ort deutscher Freiheit erklärt
  • 1875 wurde das Hermannsdenkmal eingeweiht

Die Nazis und der Wald

Hermann Göring 1940:

  • "Ewiger Wald und ewiges Volk gehören zusammen"
  • Der Wald als Symbol für die Unvergänglichkeit des "deutschen Volkes"

Was taten die Nazis?

  • Sie legten "Hakenkreuzwälder" an
  • Bäume in Form von Hakenkreuzen
  • "Blut und Boden"-Ideologie: Volk und Raum gehören zusammen

Heute: Der Mythos lebt weiter

Wo findet man ihn?

  • Bei Rechtsextremen
  • Bei Verschwörungsideologen
  • Bei "Reichsbürgern"

Die Strategie:

  • Schöne Bilder verschleiern die Ideologie
  • Nazi-Bezüge werden verschwiegen
  • Gefühle ersetzen Fakten

Die Wahrheit

Historisch falsch:

  • Es gibt keine direkte Linie von Germanen zu Deutschen
  • Der Wald war kein "germanischer Urraum"

Fazit

Der "deutsche Wald" ist eine politische Erfindung aus der Romantik, die von den Nazis zur Propaganda genutzt wurde. Heute wird er wieder von Rechtsextremen missbraucht. Wälder gehören allen Menschen - nicht nur einer bestimmten Gruppe.

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