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„Schuldstolz für ganz Europa“: Die rechte Doppelstrategie gegen postkoloniale Forschungen

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich hat auf seiner Website eine eigene Kampagnenseite zum Thema „Postkolonialismus“. Sie reiht sich gleichberechtigt neben „Remigration“ und „Vorfeld“ ein – als drittes Standbein dessen, was Helferich „Kulturkampf“ nennt. Mit einem „Mythen-Check“ übernimmt er die Form historischer Bildungsarbeit und kehrt deren Stoßrichtung um. Sichtbar wird eine Doppelstrategie: Wo postkoloniale Theorie das positive Bild Europas stört, wird sie als „linker Kulturkampf“ attackiert; wo sie hilft, die NS-Erinnerung zu relativieren, wird sie zur Verbündeten.

Ankündigung Matthias Helferichs zur Veröffentlichung seiner „Postkolonialismus-Kampagne“ auf seiner Website am 20. April 2026, Screenshot: Berit Kö (10. Juni 2026)
Ankündigung Matthias Helferichs zur Veröffentlichung seiner „Postkolonialismus-Kampagne“ auf seiner Website am 20. April 2026 © Screenshot: Berit Kö (10. Juni 2026)

Postkolonialismus: Eine weitere Front im Kulturkampf der AfD

Der Begriff Postkolonialismus bezeichnet eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Perspektive, die sich mit den Folgen des Kolonialismus beschäftigt. Dabei geht es nicht nur um die historische Herrschaft europäischer Staaten über große Teile Afrikas, Asiens und Amerikas, sondern auch um die langfristigen und noch immer gegenwärtigen Auswirkungen dieser Herrschaft auf Politik, Wirtschaft, Kultur und gesellschaftliche Machtverhältnisse. Postkoloniale Ansätze untersuchen beispielsweise, wie koloniale Denkmuster bis heute fortwirken, welche Rolle Rassismus und globale Ungleichheiten spielen und wie die Geschichte der Kolonialisierung erinnert oder verdrängt wird. In den vergangenen Jahren ist der Postkolonialismus zunehmend Gegenstand politischer Debatten geworden. Themen wie die Rückgabe von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten, die Umbenennung von Straßen mit kolonialen Bezügen oder die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte werden kontrovers diskutiert – auch innerhalb der Wissenschaft, wo über Methoden, Reichweite und einzelne Thesen postkolonialer Ansätze mitunter scharf gestritten wird. Solche Kritik gehört zum normalen Betrieb einer Disziplin: Sie prüft Befunde, verwirft Thesen, verlangt bessere Belege.

Die Kampagne von Matthias Helferich, die unter dem Logo der AfD firmiert, ist etwas kategorial anderes: Sie ist keine Beteiligung an dieser Debatte – sie erklärt das Forschungsfeld als solches zum Feind. Postkoloniale Studien erscheinen dann nicht als Wissenschaft, mit deren Argumenten man streiten könnte, sondern als „Ideologie“, gegen die man sich „zur Wehr setzen“ müsse und als Gegner in einem „Kulturkampf“.

Die Broschüre: Anlage und Quellenbasis

Die Broschüre, die Helferich „zum Informieren, Drucken und Weiterverteilen“ anbietet, umfasst 16 Seiten und trägt den Titel „Postkolonialismus: Ein Schuldstolz für ganz Europa. Angriff auf unser Erbe, unsere Identität und Zukunft“. Ihr Aufbau folgt der Dramaturgie einer Aufklärungsschrift: Auf ein Vorwort, das von „vermeintlichen Kolonialverbrechen“ spricht und ankündigt, „Argumente gegen den neuen ‚Schuldstolz für ganz Europa‘“ zu liefern, folgt ein Kapitel zur „Ideologie des Postkolonialismus“, daran schließen sich fünf „Mythen“ an, die jeweils mit einem roten „Falsch!“-Stempel versehen widerlegt werden sollen, bevor ein „Plädoyer für eine selbstbewusste Kulturpolitik“ und eine Werbeseite für Helferichs weitere „Kulturkampf“-Projekte – darunter „Remigration jetzt!“ – die Handreichung beschließen.

Wie wenig der selbsterklärte „Mythen-Check“ seinen eigenen Maßstäben genügt, zeigt bereits das Eingangszitat. Auf Seite 3 wird der Satz „Wir sind hier, weil ihr dort wart“ Ambalavaner Sivanandan zugeschrieben, der als „Afrikanischer Aktivist“ vorgestellt wird. Sivanandan (1923–2018) stammte aus Sri Lanka und leitete das „Institute of Race Relations“ in London. Eine Publikation, die antritt, Geschichtsmythen zu entlarven, scheitert an der Herkunftsangabe ihres ersten Zitatgebers – und zwar durch genau jene rassifizierende Pauschalisierung, die sie der Gegenseite vorwirft: Ein tamilischer Brite wird, neben dem KI-generierten Bild einer schreienden Schwarzen Frau mit erhobener Faust, kurzerhand zum „Afrikaner“ erklärt.

Aufschlussreich ist schließlich das Quellenfundament. Als Gewährsleute gegen die „postkolonialen Mythen“ benennt Helferich drei Autoren: den US-Politikwissenschaftler Bruce Gilley, dessen Buch „Verteidigung des deutschen Kolonialismus“ im neurechten Verlagsumfeld erschien, den ebenfalls im rechten Spektrum bestens vernetzten AfD-Politiker Michael Klonovsky sowie den Publizisten und früheren SPD-Politiker Mathias Brodkorb, Autor des Buchs „Postkoloniale Mythen“.1 Kolonialhistorische Fachliteratur fehlt nahezu vollständig; wo doch einmal Wissenschaftler:innen zu Wort kommen, handelt es sich um vereinzelte Minderheitspositionen, die als Kronzeug:innen gegen den Forschungsstand ihres eigenen Fachs aufgeboten werden. Der Referenzapparat bildet so einen geschlossenen Zirkel: Geschichtsrevisionistische Publizistik bestätigt geschichtsrevisionistische Publizistik, und die Forschung, gegen die argumentiert wird, kommt nur als Zerrbild vor.

Die Mimikry des Mythen-Check-Formats

Helferich übernimmt explizit das Format, das Projekte der historischen Bildungsarbeit nutzen, um rechte Geschichtsmythen zu dekonstruieren – und kehrt es um. Der „Mythen-Check“ als rhetorische Form wird zur Waffe gegen die postkoloniale Forschung selbst: eine bewusste Aneignung der aufklärerischen Form bei gleichzeitiger Umkehr des Inhalts. Es gehört zu den Ironien dieser Kampagne, dass sich ihr Verfahren am präzisesten mit einem Schlüsselbegriff eben jener Theorie beschreiben lässt,2 die sie bekämpft: als Mimikry – eine Nachahmung, die der Form fast vollständig gleicht und gerade dadurch ihre Funktion verschiebt. Diese Mimikry erfüllt zwei Funktionen. Erstens schafft sie Anschlussfähigkeit an Milieus, die sich selbst als wissenschaftlich, sachlich oder bürgerlich verstehen: Bei einem „Mythen-Check“ handelt es sich dem Augenschein nach um ein Ergebnis nüchterner Prüfung. Zweitens nutzt sie das Vertrauenskapital aufklärerischer Formate für anti-aufklärerische Inhalte. Die Verschiebung von Fakten geschieht im Schutz einer Faktenförmigkeit.

Die „Mythen“: eine Werkstatt der Umdeutung

Wie diese Verschiebung konkret arbeitet, zeigen die fünf von Helferich benannten „Mythen“ selbst. Wir benennen im Folgenden die Strategien des Geschichtsrevisionismus und stellen richtig, wo die Broschüre die Fakten verbiegt.

Da ist zunächst der Strohmann: die Widerlegung von Behauptungen, die niemand aufgestellt hat. Dass Sklaverei in Afrika nicht erst mit dem transatlantischen Handel begann und dass auch Europäer:innen versklavt wurden, wird nicht bestritten – im Gegenteil: beides steht in Standard- und Lehrwerken zur Geschichte der Sklaverei.3 So sind zwei „Mythen“ – „Die Europäer brachten die Sklaverei nach Afrika“ und „Nur Afrikaner fielen der Sklaverei zum Opfer“ – also gar keine Thesen der postkolonialen Forschung. Die Broschüre erfindet die Behauptungen, die sie widerlegt – und verbucht das als Entlarvung. Die Beispiele, mit denen sie das tut, erfüllen zugleich eine zweite Funktion: Sie rechnen auf. Der transatlantische Versklavungshandel wird nicht geleugnet, sondern verrechnet – mit den „fast 17 Millionen“4 Opfern des arabischen und innerafrikanischen Sklavenhandels, mit dem versklavten Miguel Cervantes als „prominentem Opfer“, da Autor des berühmten „Don Quijote“. Die Botschaft ist einfach: Alle haben versklavt, alle wurden versklavt. Und wo alle schuldig sind, ist es niemand mehr – die spezifische europäische Verantwortung löst sich in einer allgemeinen Gewaltgeschichte der Menschheit auf.

„Mythos: Europa hielt die Sklaverei in Afrika aufrecht“

Der dritte angeblich als falsch entlarvte „Mythos“ – „Europa hielt die Sklaverei in Afrika aufrecht“ – führt die Technik der Inversion vor. Aus dem Auftakt der kolonialen Aufteilung Afrikas macht Helferich ein humanitäres Großereignis: Auf der „Berliner Kongokonferenz“ 1884/85 sei „die Bekämpfung der afrikanischen Sklaverei zum Hauptziel der Kolonialmächte erklärt“ worden. Die Generalakte enthielt tatsächlich Bestimmungen gegen den Sklavenhandel, aber von den 38 Artikeln berühren nur zwei das Thema: Artikel 6 verpflichtet die Mächte, „an der Unterdrückung der Sklaverei und insbesondere des [N*handels] mitzuwirken“, Artikel 9 bestimmt, dass das Kongobecken weder „Markt noch als Durchgangsstraße“ des Sklavenhandels zu nutzen sei.5 Es handelte sich also keineswegs um ein „Hauptziel der Kolonialmächte“. Überhaupt skizziert Helferich nicht, zu welchem Zweck Otto von Bismarck diverse europäische sowie US-amerikanische und osmanische diplomatische Vertreter nach Berlin lud: Es ging darum, „den riesigen Kongoraum im Zentrum Afrikas zu neutralisieren, also nicht aufzuteilen, sondern als eine Art Freihandelszone zu etablieren“6 – die Aufteilungen und Grenzziehungen, die weitgehend noch heute bestehen, folgten bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. In einem Wettstreit eroberten die Kolonialherren Gebiete und errichteten Verwaltungsapparate, vielerorts ohne Rücksicht zu nehmen auf historisch gewachsene Gegebenheiten.7 Außerdem duldeten sie mehrfach die Fortdauer der Sklaverei: „Dahinter stand die Furcht, die Befreiung von Sklaven würde zu einem massiven Rückgang wirtschaftlicher Produktivität und zu rasch wachsender Gesetzlosigkeit führen. Frühere Erfahrungen in Plantagenökonomien vor allem in der Karibik veranlassten die Europäer in Afrika zu der Überzeugung, dass befreite Sklaven ihre Herren sofort verlassen und nur für ihren Eigenbedarf arbeiten, ihre ehemaligen Herren aber nicht selbst zu manueller Arbeit bereit sein würden.“8

Was die Broschüre ebenso auslässt: Ein zentrales Ergebnis der Berliner Afrika-Konferenz war der als humanitäres Projekt deklarierte „Kongo-Freistaat“ Leopolds II. von Belgien, eines der mörderischsten Regime der Kolonialgeschichte. Dass er mit keinem Wort erwähnt wird, demonstriert die Methode: Umdeutung nicht durch Lüge, sondern durch Auslassung im Schutz eines korrekten Details. Auch die übrigen Behauptungen des Kapitels sind mangelhaft: Helferich gibt an, Dänemark habe 1792 als erstes Land die Sklaverei in seinen Kolonien verboten. Das ist nicht korrekt und bedarf der Differenzierung: Dänemarks Verbot von 1792 betraf den Sklavenhandel, nicht die Sklaverei. Es trat zudem erst elf Jahre später, 1803, in Kraft; in der Zwischenzeit „genehmigte der Staat großzügige Anleihen, sodass die karibischen Plantagenbesitzer sich mit ausreichend Sklaven versorgen konnten, bevor das Verbot griff“.9 Und obwohl der Sklavenhandel offiziell abgeschafft worden war, erreichten bis 1840 noch 22.244 versklavte Menschen die dänischen Karibikinseln, ehe die Versklavten auf St. Croix 1848 mit einem Aufstand ihre Emanzipation selbst erzwangen.10

„Mythos: Die Niederschlagung des Herero-Aufstandes war ein Völkermord“

Der vierte angeblich entlarvte „Mythos“ lautet „Die Niederschlagung des Herero-Aufstandes war ein Völkermord“. Der Genozid – in der Forschung Konsens und 2021 von der Bundesregierung (unter Enthaltung der AfD-Fraktion) anerkannt11 – könne Helferich zufolge „weder juristisch noch tatsächlich als Völkermord eingeordnet werden“.12 Wie er zu diesem Schluss gelangt, lässt sich Schritt für Schritt nachvollziehen. Den Anfang macht eine Umkehrung der Erzählrichtung: Noch bevor von deutscher Gewalt die Rede ist, erfahren die Leser:innen von der „Ermordung von über 130 weißen Farmern“ – der Aufstand erscheint so von vornherein als Verbrechen und seine Niederschlagung als bloße Reaktion. Anschließend werden die Kampfhandlungen einem einzelnen Mann zugerechnet: Generalleutnant Lothar von Trotha erscheint als isolierter Täter, dem sich Kolonialverwaltung und „sogar die deutsche Reichsregierung unter Wortführerschaft von Kaiser Wilhelm II.“ entgegengestellt hätten. Diese Einzeltäter-These ist absurd, da Trotha vom Kaiser persönlich berufen worden war und seine Order von einem ganzen Militärapparat vollstreckt wurden. Seine berüchtigte Proklamation vom 2. Oktober 190413 war auch eine Handlungsanweisung; das belegt der Umstand, dass Trotha „die aus der Proklamation sich für die Truppen ergebenden Aufgaben in einem Zusatzbefehl“ spezifizierte.14

Am weitesten treibt die Broschüre die Umdeutung dort, wo sie die Opfer selbst für ihr Schicksal verantwortlich macht. Unter Berufung auf Klonovsky heißt es, „das selbstbewusste Volk der Herero“ habe sich eben „bewusst“ für den „risikobehafteten“ Weg durch die Omaheke „entschieden“.15 Diese Argumentation funktioniert nur, wenn man die Anwesenheit einer deutschen Kolonialarmee im Land der Herero als Naturtatsache behandelt. „Wählen“ konnten die am Waterberg Eingekesselten zwischen den deutschen Gewehren und der Wüste – auf ihrem eigenen Land, in einem Krieg, den es ohne die Kolonialherren gar nicht gegeben hätte.

Gekrönt wird das Ganze von der Aneignung antirassistischer Semantik: Wer von Völkermord spreche, pflege einen „überheblichen, postkolonialen Blick auf ein schwarzes Volk“. Dieser Satz verdient einen zweiten Blick, denn hier wechselt die Broschüre das Vokabular der Gegenseite ein. Sie argumentiert plötzlich mit Figuren, die aus der postkolonialen Kritik selbst stammen – Bevormundung, Absprechen von Handlungsmacht, der herablassende europäische Blick – und richtet sie gegen die Anerkennung des Genozids: Nicht die Leugnung sei respektlos, sondern die Völkermordthese selbst, weil sie die Herero zu bloßen Objekten deutscher Politik mache. Das klingt nach Augenhöhe und ist ihr Gegenteil. Denn Handlungsmacht und Opferschaft schließen einander nicht aus: Die Forschung beschreibt die Herero seit Langem als historische Akteur:innen – als Aufständische, Verhandelnde, Überlebende. Die Broschüre hingegen gesteht ihnen Handlungsmacht in genau einem einzigen Moment zu: dem ihres Untergangs – also dort, wo sie die Täter entlastet.

„Mythos: Koloniale Kulturgüter sind ausschließlich Raubkunst“

Die Ausführungen zum fünften angeblich entlarvten „Mythos“ – „Koloniale Kulturgüter sind ausschließlich Raubkunst“ – beginnen mit einem Wort, das die ganze Arbeit erledigt: „ausschließlich“. In der Provenienzforschung wird nicht behauptet, sämtliche koloniale Sammlungsbestände seien Raubgut – ihr Gegenstand ist im Gegenteil die Unterscheidung: Der Leitfaden des Deutschen Museumsbundes etwa differenziert ausführlich zwischen gewaltsamer Aneignung, Kauf, Tausch, Auftragsarbeit und Schenkung, jeweils zu klären im Einzelfall.16 Erst die selbst eingefügte Übertreibung macht den „Mythos“ widerlegbar. Bemerkenswert ist, womit die Broschüre ihn widerlegen will: Bei Restitutionsdebatten, heißt es dort, gehe es gar nicht um „Eigentümerschaft oder Herkunft des Kulturguts, da diese meist überhaupt nicht feststellbar ist“. Das ist ein Zirkelschluss: Die Herkunft festzustellen ist exakt die Aufgabe jener Provenienzforschung, deren Abschaffung die Broschüre forciert. Ausgerechnet das Paradebeispiel und Cover der Broschüre lässt diese Konstruktion in sich zusammenfallen: Die Benin-Bronzen wurden 1897 bei der britischen Strafexpedition gegen das Königreich Benin geplündert und über Beuteauktionen in europäische Sammlungen verkauft – kaum ein kolonialer Bestand ist in seiner Herkunft besser dokumentiert. Bleibt das Argument, deren Rückgabe sei gescheitert: Die von Deutschland restituierten Bronzen würden „bis zum heutigen Tage“ nicht im mitfinanzierten „Museum of West African Arts“ in Nigeria ausgestellt, während ihnen in deutschen Museen „Respekt zuteil“ geworden sei.17 Tatsächlich wird um die Präsentation der Bronzen in Nigeria gerungen, seit der Staatspräsident 2023 den Oba von Benin – das Oberhaupt jenes Königshauses, dessen Palast 1897 geplündert wurde – zum Eigentümer erklärte. Ob die Objekte künftig öffentlich zugänglich sein werden, ist dabei eine berechtigte Frage – und sie wird vor allem in Nigeria selbst gestellt: von Museumsfachleuten, Zivilgesellschaft und der nationalen Museumsbehörde, die mit dem Königshaus um die Hoheit über das Erbe diskutieren. Man kann sich wünschen, dass diese Debatte zugunsten der Öffentlichkeit ausgeht. Entscheiden kann sie nur Nigeria – genau das bedeutet Eigentum, und genau das war der Sinn der Rückgabe. Helferich dagegen interessiert nicht der Zugang, sondern der Befund: Der Streit soll das Scheitern der Restitution insgesamt belegen. Wer die Rückgabe aber nur gelten lassen will, wenn die Objekte anschließend nach westlichen Maßstäben präsentiert werden, begibt sich erneut in die Rolle des Kolonialherrn – mit doppeltem Maß zudem, denn von den Bronzen in europäischen Museen war über ein Jahrhundert lang ebenfalls nur ein Bruchteil ausgestellt; der Rest lagerte in Depots, unzugänglich auch für jenes Publikum, dessen „Respekt“ die Broschüre rühmt.

Wo die Sachargumente dann enden, übernimmt die Motivunterstellung: In Wahrheit gehe es den „Postkolonialisten“ um die „Aufladung des Kulturguts als Symbol ‚weißer Schuld‘“, Restitution sei ein „Akt der moralischen Selbsterhöhung“. Damit ist der „Mythen-Check“ bei seiner letzten Strategie angelangt: geprüft wird nicht mehr die Geschichte, sondern die Gesinnung der Gegenseite.

Vom „Schuldkult“ zum „Schuldstolz“

Den Kampfbegriff „Schuldkult“ hat die Neue Rechte seit den 1980er Jahren systematisch aufgebaut, um die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zu delegitimieren – eine Strategie, die wir mit Blick auf ihre Verknüpfung mit dem „Projekt Remigration“ an anderer Stelle ausführlich dargestellt haben. In den vergangenen Jahren hat sich aus diesem Vokabular ein neuer Schlüsselbegriff herausgebildet: der „Schuldstolz“.

Im Mai 2021 reagierte Martin Sellner, Kopf der österreichischen Identitären Bewegung, in der „Sezession“ auf zwei Texte, die die deutsche Erinnerungskultur aus postkolonialer Perspektive kritisierten: Dirk Moses’ Aufsatz „Der Katechismus der Deutschen“18 und einen Beitrag der Historiker Jürgen Zimmerer und Michael Rothberg in der ZEIT.19 Beide Texte standen im engen Zusammenhang mit der Causa Achille Mbembe.20 Sellners Antwort trug den programmatischen Titel „Postkoloniale Angriffe auf den ‚Auschwitz-Mythos‘“ und er nutzte den Begriff vom „postnazistischen Schuldstolz“: Die Holocaust-Erinnerung erscheint hier nicht mehr nur als „Schuldkult“, sondern als angeblich perverser Stolz der Deutschen auf ihre eigene Schuld. Strategisch lag Sellners Pointe darin, die postkoloniale Kritik an der Holocaust-Singularität, die innerhalb der Fachwissenschaft diskutiert wurde, als nützlichen inneren Konflikt der Erinnerungskultur zu deuten, den die Rechte für die eigene Agenda produktiv machen könne.

Die Doppelstrategie: Postkolonialismus angreifen & Postkolonialismus benutzen

Auffällig ist eine Spannung im rechten Umgang mit postkolonialer Theorie, die auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, bei näherem Hinsehen aber eine konsistente Strategie offenbart. Während Helferich in seiner Broschüre postkoloniale Forschung pauschal als linkes Projekt der „Umdeutung der Gegenwart“ darstellt,21 das es zu bekämpfen gelte, weil es „anti-weißen Rassismus“ legitimiere, hatte Sellner den Theoriebestand als nützlichen Bundesgenossen ausgemacht: Postkoloniale Kritik der Holocaust-Singularität diene, so sein Argument, der von rechts gewünschten Relativierung. Beide Operationen stehen nicht in Widerspruch zueinander, sondern bedienen unterschiedliche Fronten desselben Projekts: Wo postkoloniale Theorie das positive Selbstbild europäischer Geschichte attackiert – also etwa bei der Thematisierung von Kolonialverbrechen, der Restitution geraubter Objekte, der Anerkennung von Völkermorden –, wird sie als „linker Kulturkampf“ zurückgewiesen.

Wo postkoloniale Ansätze jedoch als Kritik an der Singularität des Holocaust gelesen werden können – etwa durch Vergleiche zwischen kolonialer und nationalsozialistischer Gewalt oder durch die Einordnung des Holocausts in längere Genealogien europäischer Herrschafts- und Gewaltgeschichte –, werden sie von rechten Akteur:innen selektiv aufgegriffen. Nicht die postkoloniale Theorie als solche wird dabei übernommen, sondern jene Argumentationsfiguren, die sich für eine Relativierung der besonderen Stellung des Holocaust in der deutschen Erinnerungskultur nutzen lassen.

Der rechte Umgang mit dem Postkolonialismus folgt damit einer Doppelstrategie: Einerseits wird postkoloniale Forschung als ideologischer Angriff auf Europa und den Westen bekämpft; andererseits werden sich einzelne ihrer Interventionen dort angeeignet, wo sie als Hebel gegen die etablierte Erinnerungskultur erscheinen. Das verbindende Ziel liegt in der Schwächung jener kritischen Erinnerungsregime, die koloniale und nationalsozialistische Gewalt zum Gegenstand gesellschaftlicher Selbstverständigung machen.

Die Brücke zur Remigration: Das „multikulturelle Siedlungsgebiet“

Was die Kampagne strategisch besonders aufschlussreich macht, ist eine Formulierung Helferichs. Postkolonialismus, schreibt er, solle die „Transformation Europas in ein multikulturelles Siedlungsgebiet“ legitimieren. Der Begriff „Siedlungsgebiet“ ist dabei nicht zufällig gewählt. Er entstammt einem völkisch-geopolitischen Vokabular, das Räume nicht primär als politische Gemeinwesen, sondern als ethnisch definierte Bevölkerungsräume versteht. Damit wird die Verbindung zum zweiten zentralen Aspekt des Kulturkampfes hergestellt: die Forderung nach „Remigration“. In dieser Logik ist die Auseinandersetzung mit kolonialer Gewalt nicht bloß eine historische oder wissenschaftliche Debatte. Wer koloniale Ausbeutung, Versklavung oder Völkermorde thematisiert, so die Unterstellung, liefere zugleich die Legitimation für Migration aus dem Globalen Süden nach Europa. Restitution, Provenienzforschung und postkoloniale Forschung werden dadurch zu politischen Gegnern in einer Auseinandersetzung, die letztlich um nationale Zugehörigkeit und Bevölkerungszusammensetzung geführt wird.

Dass die Sprache von „Schuldkult“ und „Schuldstolz“ längst nicht mehr auf das publizistische Vorfeld der Rechtsextremen beschränkt ist, zeigt ein Blick in das aktuelle Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt. Darin wird das „Deutsche Zentrum Kulturgutverluste“ in Magdeburg scharf kritisiert: Die dort betriebene Provenienzforschung erscheint nicht als notwendige Aufarbeitung historischer Unrechtskontexte, sondern als Ausdruck eines pauschalen Verdachts gegen Museen und kulturelle Einrichtungen. Zwar wird die Rückgabe von Kulturgütern in Fällen anerkannt, in denen konkrete Geschädigte oder deren Nachfahren Ansprüche geltend machen. Die systematische Erforschung von Erwerbungskontexten lehnt die Partei jedoch als „anlasslose“ Suche nach historischem Unrecht ab. Besonders deutlich wird dabei das erinnerungspolitische Motiv der Kritik: Provenienzforschung wird nicht nur als ineffizient oder überflüssig dargestellt, sondern als Instrument zur Aufrechterhaltung eines vermeintlich künstlich erzeugten Schuldgefühls. Explizit zurückgewiesen wird dabei die Vorstellung einer kolonialen Verantwortung Deutschlands. Die Auseinandersetzung mit kolonialen Erwerbungskontexten erscheint aus dieser Perspektive nicht als historische Aufarbeitung, sondern als Ausdruck einer politischen Schuldpolitik. Aus dieser Diagnose leitet die AfD Sachsen-Anhalt konkrete Konsequenzen ab: Der jährliche Landeszuschuss für das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Höhe von (ohnehin nur) 73.500 Euro soll vollständig gestrichen werden.22 Die Ablehnung postkolonialer Perspektiven bleibt damit nicht auf symbolische Geschichtspolitik beschränkt, sondern wird in konkrete kultur- und haushaltspolitische Forderungen übersetzt.

Die visuelle Strategie der Broschüre: Bilder ohne Herkunft

Mit Ausnahme der Porträtfotos Helferichs ist die Bildebene offenkundig KI-generiert – und sie simuliert historische Bildgattungen: pseudo-historische Stiche arabischer Sklavenkarawanen, ein Historiengemälde Bismarcks vor einem Parlament, das nie gemalt wurde, eine klassizistische Büste. Die Bilder sehen aus wie Quellen, verweisen aber auf nichts. Sie sind das visuelle Pendant zur Faktenförmigkeit der Texte: Bildförmigkeit ohne Bildquelle.

Innerhalb dieses synthetischen Bildprogramms wird der politische Gegner zur Karikatur verdichtet. Neben einem Zitat Mathias Brodkorbs, wonach „sie das moralische Rückgrat des Westens zertrümmern“ wollten, zeigt die Broschüre eine wütend schreiende Demonstrantin mit grünen Haaren und roter Fahne vor beschmierter klassizistischer Architektur: Die Figur bündelt antirassistische Initiativen, Klimaproteste und postkoloniale Wissenschaftler:innen zur einheitlichen Gestalt der irrationalen, zerstörerischen „Linken“. An die Stelle der Auseinandersetzung mit Argumenten tritt eine affektive Freund-Feind-Inszenierung, die postkoloniale Kritik nicht als wissenschaftliche Position, sondern als kulturelle Bedrohung erscheinen lässt. Ihr Gegenstück ist die weiße Marmorbüste, der ein Schild mit der Aufschrift „SCHULDIG“ umgehängt wurde – weiße Selbstviktimisierung, in Stein gemeißelt per Prompt.

Seite 12 der Broschüre von Matthias Helferich, Screenshot: Berit Kö (10. Juni 2026)
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Seite 12 der Broschüre von Matthias Helferich ©Screenshot: Berit Kö (10. Juni 2026)
Seite 11 der Broschüre von Matthias Helferich, Screenshot: Berit Kö (10. Juni 2026)
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Seite 11 der Broschüre von Matthias Helferich ©Screenshot: Berit Kö (10. Juni 2026)
Cover der Broschüre von Matthias Helferich, Screenshot: Berit Kö (10. Juni 2026)
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Cover der Broschüre von Matthias Helferich ©Screenshot: Berit Kö (10. Juni 2026)

Die aufschlussreichste Bildentscheidung aber ist das Cover. Es zeigt eine KI-Imitation einer Benin-Bronze, über die Blut läuft. Es gibt Fotos der Benin-Bronzen, deren Restitution die Broschüre für gescheitert erklärt; stattdessen generiert die Kampagne ein synthetisches Ersatzobjekt – die Aneignung der Form bei gleichzeitiger Auslöschung des Objekts, und damit auf der Bildebene exakt die Operation, die der „Mythen-Check“ auf der Textebene vollzieht.

Vollendet wird die Pointe im Impressum. Der Bildnachweis der Broschüre lautet vollständig: „Bildnachweis: Matthias Helferich“. Eine Kampagne, die Provenienzforschung als linke Selbstbeschäftigung verspottet, löscht in ihrer eigenen Bildlegende die Herkunft ihrer Bilder und schreibt deren Urheberschaft dem Abgeordneten zu. Dabei beruhen KI-Bildgeneratoren ihrerseits auf der massenhaften Aneignung der Arbeit von Künstler:innen, Fotograf:innen und Archiven – ohne Zustimmung, ohne Vergütung, unter Tilgung jeder Herkunft. Strukturell ist es genau das Muster, dessen Aufarbeitung die Broschüre für überflüssig erklärt: Aneignung ohne Einwilligung, Dekontextualisierung, Löschung der Provenienz – diesmal nicht in der Vitrine, sondern im Bildnachweis. In den Metadaten des PDF ist außerdem die bayrische AfD-Bezirksrätin und rechtsextreme Podcasterin Gabrielle Mailbeck als Autorin angegeben; welchen Beitrag sie zur Broschüre geleistet hat, ist nicht nachvollziehbar.

Fazit: Warum beschäftigt sich Helferich so ausführlich mit dem Thema?

Warum investiert ein Bundestagsabgeordneter derart viel Aufwand – eine Kampagnenseite, eine Broschüre, eine Social-Media-Offensive – in ein Thema, das auf den ersten Blick wie eine akademische Spezialdebatte wirkt? Die Antwort liegt in der erinnerungspolitischen Topografie der Bundesrepublik. Die NS-Erinnerung ist für die extreme Rechte vermintes Terrain: weitgehend kanonisiert und institutionell verankert, die Leugnung des Holocaust ist strafrechtlich relevant. Die Kolonialerinnerung dagegen ist offeneres Gelände: weniger kanonisiert, in der breiten Bevölkerung weniger präsent, und die Leugnung des Genozids an den Herero und Nama bleibt faktisch folgenlos. Genau das macht die Kolonialerinnerung zum bevorzugten Übungsfeld und zur Möglichkeit, die Grenzen des Sagbaren weiter zu verschieben. Denn was in der Broschüre eingeübt wird, ist das komplette Repertoire jenes Geschichtsrevisionismus, mit dem wir uns bei „Geschichte statt Mythen“ sonst vor allem in Bezug auf die NS-Zeit beschäftigen: die Einzeltäter-These, die Aufrechnung von Opferzahlen, die Täter-Opfer-Verschiebung, die Emotionalisierung durch Feindbilder und das Vokabular von „Schuldkult“ und „Schuldstolz“. Am kolonialen Gegenstand lassen sich diese Figuren durchdeklinieren, ohne die Sanktionen zu riskieren, die ihre Anwendung auf die NS-Geschichte nach sich zöge. Zugleich hält die Doppelstrategie die zweite Front offen: Die Opferkonkurrenz zwischen Holocaust- und Kolonialerinnerung, die rechte Akteur:innen der postkolonialen Theorie unterstellen, ist eine, die sie selbst herzustellen versuchen – jede Schwächung der einen Erinnerung soll auf die andere durchschlagen. Das strategische Ziel ist der Aufbau eines parallelen Erinnerungsregimes, in dem deutsches und europäisches Handeln im 19. und frühen 20. Jahrhundert wieder positiv aufgeladen werden kann.

 

[Autorin: Berit Kö]

 

[1] Matthias Helferich: Postkolonialismus. Ein Schuldstolz für ganz Europa. Angriff auf unser Erbe, unsere Identität und Zukunft, S. 13 URL: https://matthiashelferich.de/wp-content/uploads/2026/04/Broschuere_Postkolonialismus_web.pdf (10.06.2026).

[2] In den Postcolonial Studies beschreibt der Begriff „Mimikry“ (geprägt von Homi K. Bhabha) eine Strategie kolonisierter Menschen, die Kultur, Sprache und Lebensweise der Kolonialherren nachzuahmen, um die ihnen attestierte Unterlegenheit zu überwinden. Dies gelinge jedoch niemals vollständig: sie würden eben auch durch Nachahmung von Sprache und Habitus „nicht weiß“ (Stefan Hermes: Mimikry, in: Dirk Göttsche, Axel Dunker & Gabriele Dürbeck (Hg.): Handbuch Postkolonialismus und Literatur, Stuttgart 2027, S. 185–187, hier S. 185).

[3] Siehe etwa Michael Zeuske: Handbuch Geschichte der Sklaverei. Eine Globalgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2 Bde., Berlin/Boston 22019; Andreas Eckert: Geschichte der Sklaverei. Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert, München 2021.

[4] Die Zahl übernimmt die Broschüre von dem Anthropologen Tidiane N’Diaye (Der verschleierte Völkermord, Hamburg 2010), dessen Schätzungen und Völkermord-These in der Forschung umstritten sind.

[5] Aktenstücke betreffend die Kongo-Frage. Dem Bundesrath und dem Reichstag vorgelegt im April 1885. Mit Genehmigung des Auswärtigen Amts herausgegeben, Hamburg 1885, S. 51.

[6] Andreas Eckert: Die Berliner Afrika-Konferenz (1884/85), in: Jürgen Zimmerer (Hg.): Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte, Frankfurt a. M. 2013, S. 137–149, hier S. 141.

[7] Ebd., S. 142.

[8] Ebd., S. 144.

[9] Bernd Hennigsen: Dänemark, München 1981, S. 37.

[10] Jan Hüsgen: General Buddhoe und Peter von Scholten. Erinnerungen an Sklavenemanzipation auf den U. S. Virgin Islands und in Dänemark, in: Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung 22/2, 2012, S. 112–125, hier S. 115.

[11] Dem Weg der Versöhnung verpflichtet, 28. Mai 2026, URL: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/gedenken-herero-und-nama-2350348 (10. Juni 2026).

[12] Helferich: Postkolonialismus, S. 8.

[13] Der Text des »Aufruf[s] an das Volk der Herero« lautet: »Ich, der große General der deutschen Soldaten, sende diesen Brief an das Volk der Herero. Die Hereros sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet. und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jeder der einen der Kapitäne an eine meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero bringt, erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muß jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der Deutschen Grenze wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auf sie schießen. Dies sind meine Worte an das Volk der Hereros. Der große General des mächtigen deutschen Kaisers.« (Zit. n. Matthias Häussler: Der Genozid an den Herero. Krieg, Emotion und extreme Gewalt in Deutsch-Südwestafrika, Weilerswist 2018, S. 190).

[14] Häussler: Der Genozid an den Herero, S. 193.

[15] Helferich: Postkolonialismus, S. 9.

[16] Deutscher Museumsbund e.V.: Leitfaden Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, 3. Fassung, 2021 (URL: https://www.museumsbund.de/wp-content/uploads/2021/03/mb-leitfanden-web-210228-02.pdf (10. Juni 2026).

[17] Helferich: Postkolonialismus, S. 15.

[18] A. Dirk Moses: Der Katechismus der Deutschen, in: Geschichte der Gegenwart, 23. Mai 2021, URL: https://geschichtedergegenwart.ch/der-katechismus-der-deutschen/ (10.06.2026).

[19] Jürgen Zimmerer & Michael Rothberg: Enttabuisiert den Vergleich!, in: Die Zeit, 4. April 2021, URL: https://www.zeit.de/2021/14/erinnerungskultur-gedenken-pluralisieren-holocaust-vergleich-globalisierung-geschichte/komplettansicht(10.06.2026).

[20] Im April 2020 erhob der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, gegen den kamerunischen Philosophen und Postkolonialismus-Theoretiker Achille Mbembe den Vorwurf des Antisemitismus und forderte, ihn von der Eröffnung der Ruhrtriennale auszuladen; Anlass waren Passagen in Mbembes Schriften, in denen er die israelische Besatzungspolitik mit dem südafrikanischen Apartheidsystem verglichen hatte. Die Debatte weitete sich rasch zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über die Singularität des Holocaust, das Verhältnis von Kolonial- und Holocaust-Erinnerung sowie die Rolle postkolonialer Theorie in Deutschland aus.

[21] Matthias Helferich: Postkolonialismus. Ein Schuldstolz für ganz Europa. Angriff auf unser Erbe, unsere Identität und Zukunft, URL: https://matthiashelferich.de/wp-content/uploads/2026/04/Broschuere_Postkolonialismus_web.pdf (10.06.2026).

[22] Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt, URL: https://afd-regierungsprogramm.de (10.06.2026).


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